Reisen/ Spanien

3 SPANNENDE LOST PLACES AUF LA GOMERA

Ich liebe lost places! Unter dieser Bezeichnung findet man auf der ganzen Welt „vergessene Orte“, von stillgelegten Fabriken bis zu alten Kinderheimen, Flugzeugwracks oder verlassene Vergnügungsparks. Eigentlich ist der Begriff ein falscher Anglizismus. Auf Englisch findet ihr dies verlassenen Orte eher unter „abandoned premises/places“. Auch auf La Gomera gibt es einige solcher lost places. Drei davon möchte ich euch heute genauer vorstellen!

El Pescante Naturschwimmbecken auf La Gomera, Kanaren lost places

1. Hermigua: Naturschwimmbecken El Pescante

Dieser Ort hat es mir ganz besonders angetan. Der Ausblick auf das Tal von Hermigua ist absolut magisch, besonders wenn der Saharastaub die Luft gelblich färbt, was dem ganzen Tal eine misteriöse Stimmung verleiht. Mit dem Auto kann man bis zu einer abgesperrten Straße fahren. Dort geht es zu Fuß weiter – oder ihr lauft direkt von Hermigua zu Fuß. Es gibt auf der abgesperrten Straße die Gefahr von Steinschlag, also würde ich einen Besuch nur empfehlen, wenn es nicht windig ist. Die Straße bis zum Natuschwimmbecken führt etwa zehn Minuten an der Küste entlang.

Tal von Hermigua auf La Gomera

Über den davit von Hermigua habe ich hier bereits geschrieben. Ursprünglich verschifften die Einwohner*innen von diesem Ort Bananen. Nach dem Bau des Hafens in San Sebastián hatte die Verladestation in Hermigua ausgedient. Aus dem Fundament des ehemaligen Verladekrans entstand ein Naturschwimmbecken (piscina natural). Eine tolle Idee, denn es füllt sich konstant mit frischem Meerwasser. Wenn die Wellen zu hoch sind, könnte man beim Baden allerdings aus dem Becken gespült werden. Den Wellengang sollte man also unbedingt im Blick haben und nur bei ruhiger See baden gehen. Ich erhielt außerdem den Tipp, auch am Boden des Beckens aufzupassen: manchmal befinden sich dort nämlich Seeigel!

Das Naturschwimmbecken ist leider nicht mehr in Betrieb. Die Gemeinde wartet es deshalb auch nicht mehr. Es gibt weder Rettungsschwimmer*innen noch eine regelmäßige Reinigung oder Infrastruktur wie Toiletten. Ich finde es sehr schade, dass dieser absolut einzigartige Ort nicht instand gehalten wird. Naturschwimmbecken sind eine Besonderheit und einfach faszinierend. Im Meerwasser schwimmen zu können, ohne sich direkt den Wellen und Felsen an der Küste auszusetzen, ist natürlich auch praktisch. El Pescante in Hermigua hat mich jedenfalls sofort in seinen Bann gezogen, obwohl es mir persönlich zu kalt zum schwimmen war.

Adresse: El Pescante, Ctra. Playa, 38820 Santa Catalina

lost places auf La Gomera, Kanaren - Hermigua El Pescante

lost places auf La Gomera, Kanaren - Hermigua El Pescante

2. Mirador Cesar Manrique

1989 wurde das Gebäude als Mirador del Palmerejeo vom Künstler und Architekten César Manrique aus Lanzarote gebaut. Er ist dafür bekannt, seine Bauwerke möglichst nahtlos in die Natur einzufügen, so dass beides miteinander harmoniert. Das hat er bei diesem Gebäude auch toll umgesetzt, denn es fügt sich perfekt in den steilen Felshang ein. Den wunderschönen Aussichtspunkt hatte ich euch auf dem Blog bereits nach meiner ersten Gomera-Reise vorgestellt, denn man hat von dort einen atenberaubenden Blick über das gesamte Valle Gran Rey. Doch auch hier handelt es sich eigentlich um einen „lost place“, denn das ehemalige Restaurant wurde dauerhaft geschlossen. Ich konnte nicht fassen, dass es nicht mehr geöffnet ist! Man hat vom Restaurant durch Panoramafenster so einen tollen Blick ins Tal.

Mirador César Manrique - lost places auf La Gomera

Jedoch erreicht man den Mirador César Manrique eigentlich nur mit dem Auto oder über eine Wanderung vom Valle Gran Rey aus (die einige Höhenmeter Aufstieg erfordert). Der öffentliche Bus hält dort leider nicht (weder jetzt noch damals, als das Restaurant geöffnet war). Das hat sicherlich dazu geführt, dass sich der Betrieb nicht gelohnt hat. Warum es wirklich geschlossen wurde, konnte mir aber niemand genau sagen. 2011 wurde es nochmals eröffnet, aber danach wieder geschlossen. Mir wurde erzählt, dass man anfangs sogar noch hineingehen konnte. Es standen Gläser auf den Tischen, Speisekarten lagen herum und Kinderspielzeug stand in der Spielecke. Das finde ich bei lost places immer besonders gruselig – die Spuren der Menschen an den verlassenen Orten.

Mirador César Manrique - lost places auf La Gomera

 

3. Castillo del Mar in Vallehermoso

Die Geschichte dieses beeindruckenden Bauwerks direkt am Meer geht zurück bis ins Jahr 1890. Damals handelte es sich auch bei diesem Ort um eine kleine Hafenanlage für die Verschiffung von Bananen. Vallehermoso war zu dieser Zeit das wirtschaftliche Zentrum von La Gomera. Später übernahm diese Rolle Hermigua und schließlich verschiffte man die Waren vom Hafen in San Sebastián.

Dicke Mauern und Kanonen dienten dazu, das Castillo und die Handelswaren gegen Piraten zu verteidigen. Nach der Machtübernahme durch Franco flohen viele Gomeros von hier aus nach Südamerika. Das Castillo del Mar war für sie das Tor zur „Neuen Welt“. Im Jahr 1950 wurden die Handelsaktivitäten in Vallehermoso eingestellt und die Festung am Meer stillgelegt. Steinschläge zerstörten die Küstenstraße hinunter zum Castillo. Felsen und Geröll machten sie über viele Jahrzehnte unpassierbar. Wer die steilen Berge und Küstenstraßen Gomeras kennt, weiß, dass innerhalb von kürzester Zeit eine Straße unbrauchbar werden kann.

Castillo di Mar in Vallehermoso Gomera

Im Jahr 1981 erwarb Thomas Müller das Castillo von Don Eugenio Garcia Perez mit dem Ziel, es zu renovieren und zu einem Veranstaltungsort auszubauen. Doch die Renovierungsarbeiten begannen erst im Jahr 2001. Zuvor war die Festung nur über den Seeweg erreichbar, was die Renovierung nahezu unmöglich machte. Als die Küstenstraße dank Förderprogrammen ausgebaut und somit der Zugang zum Castillo ermöglicht wurde, begannen auch die Arbeiten. Steinmetze aus der Region widmeten sich dem Wiederaufbau der Trockenstein- und Natursteinmauern.

Schließlich wurden eine Bühne und zwei Veranstaltungsräume gebaut, um die ehemalige Festung zu einem Kulturzentrum umzuwandeln. Eine ganzjährige Ausstellung zeigte die Geschichte des Castellos und die Phasen des Wiederaufbaus. Doch es scheint, als würde ein Fluch auf dem Gebäude lasten. Obwohl alle notwendigen Genehmigungen beantragt und die geforderten Dokumente eingereicht waren, verweigerte die Regierung die Stromversorgung der Kulturstätte. Angeblich war es zu nah an der Küste und sollte abgerissen werden, wie auch zuvor schon einige Fischerdörfer auf der Insel. Thomas Müller zog vor Gericht und gewann nach fünf Jahren den Prozess – das Gebäude wurde nicht abgerissen! Versuche, das Castillo mit privat organisierten Stromaggegraten zu betreiben, scheiterten jedoch. Nach einigen Jahren Betrieb kam es 2008 wegen der fehlenden Stromversorgung zur Schließung des historischen Gebäudes.

Das Castillo del Mar heute

Die Straße hinüber zum Castillo ist heute gesperrt und von Steinschlag stark beschädigt. Überall liegen große Felsbrocken und das Betreten ist vor allem bei Wind gefährlich, da die steile Küste nicht gesichert ist. Der Steinschlag ist hier nicht zu unterschätzen.

Zufällig fand ich bei meinem letzten Besuch auf Gomera online das Castillo und beschloss spontan, dorthin zu fahren und es mir mit eigenen Augen anzusehen. Ich war fassungslos, dass so ein magischer und faszinierender Ort mit einer unglaublichen Ausstrahlung nicht touristisch genutzt wird. Vor allem, da der Norden Gomeras nicht so beliebt ist wie beispielsweise das Valle Gran Rey. Die jahrelange Weigerung der Inselregierung, die Inbetriebnahme des Castillo zu unterstützen, erschließt sich mir nicht. Mehr als 20.000 Menschen hatten eine Petition unterzeichnet und forderten die Wiedereröffnung der ehemaligen Festung. Dem kann ich mich nur anschließen. Ich wünsche mir, dass dieser historische Ort bald für die Öffentlichkeit zugänglich ist.

Schon der Blick vom Strand aus ist großartig. Wie es erst inmitten der alten Mauern auf dem Meer sein muss, kann ich nicht beurteilen. Leider habe ich einen extrem windigen Tag erwischt und mich nicht getraut, zum Castillo hinüber zu laufen. Trotzdem empfehle ich euch in jedem Fall, dort vorbeizufahren und zumindest den Blick auf die historische Festung vom Strand aus zu genießen.

Website des Castillo del Mar

Strand/Schwimmbad in 38891 Vallehermoso, La Gomera

Das waren meine liebsten lost places auf La Gomera! Ich hoffe, sie gefallen euch auch so gut und ihr bekommt nun Lust, selbst einmal verlassene Orte zu entdecken.

Naturschwimmbecken El Pescante in Hermigua, Gomera

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5 Kommentare

  • Antworten
    Miri
    12. März 2019 um 10:23

    Hi,

    ich bin bald auf La Palma und würde da gerne ein paar Lost Places besuchen.
    Gibt es da ein Verzeichnis oder muss man eben auf gut Glück suchen?

    Viele Grüße
    Miri

    • Antworten
      Ela
      12. März 2019 um 10:51

      Liebe Miri, ich finde meine lost places eigentlich immer über Google, Google Maps oder spezielle Onlineforen, Facebook-Gruppen & Co 🙂 Ich war leider noch nicht auf La Palma und kann dir keine Tipps geben. Aber ich wünsch dir eine tolle Zeit und hoffe, du findest ein paar interessante Orte!
      Liebe Grüße,
      Ela

  • Antworten
    Julia
    7. Mai 2019 um 19:20

    Hi Ela, vielen Dank für diese tolle Übersicht über Lost Places auf La Gomera. Wir waren gerade ein paar Tage auf der Insel und haben den Felsenpool und das Castillo dank deines Beitrags besucht. Wir lieben solche Orte ebenfalls!
    Gruß, Julia

    • Antworten
      Ela
      7. Mai 2019 um 19:48

      Liebe Julia, oh danke für dein nettes Feedback! Das freut mich sehr. Wie schön, dass ihr diese spannende Seite der Insel auch sehen konntet! Wart ihr direkt am Castillo? Als ich dort war, war es leider zu windig um vorzugehen zum Gebäude.
      Liebe Grüße,
      Ela

  • Antworten
    Julia
    8. Mai 2019 um 21:57

    Ja, wir sind bis zum Gebäude vorgelaufen und sogar noch auf die Felsen an der Rückseite geklettert, um das Castillo auch von der Meerseite aus zu betrachten – ein großartiger Ort!

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