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LA GOMERA: WANDERUNG NACH SAN LORENZO

La Gomera ist ein Paradies für Menschen, die gern abwechslungsreiche Wanderungen unternehmen. Bei meinem zweiten Aufenthalt auf der Kanareninsel konnte ich einige wunderschöne Wanderwege erkunden. Den mit Abstand schönsten Wanderweg und den Naturpool von San Lorenzo möchte ich euch heute zeigen!

La Gomera: Wanderweg Nr. 33 nach San Lorenzo

Eckdaten zur Wanderung

  • Anfahrt mit dem Auto Richtung Playa La Caleta oder Start zu Fuß in Hermigua
  • kostenloses Parken (direkt an der Straße, wo der Wanderweg beginnt oder unten am Playa La Caleta)
  • Gesamtlänge einfach ca. 2,6 km von der Straße bis zum Punta de San Lorenzo
  • Höhenmeter ca. 150 m (keine steilen Passagen)
  • Wanderweg Nr. 33, an der Abzweigung dann aber den Schildern nach San Lorenzo und nicht nach Casas del Palmar folgen
  • Wanderzeit ohne Pausen in gemütlichem Tempo: ca. 1 Stunde
  • Für Familien mit Kindern geeignet: bedingt, teilweise kein Geländer am Weg (steiler Abhang)
  • Keine Einkehrmöglichkeiten, bitte ausreichend Wasser und Verpflegung mitnehmen!
  • Der Wanderweg ist bei starkem Wind nicht zu empfehlen.

Wanderweg vom Playa La Caleta nach San Lorenzo

Der Rundwanderweg Nummer 33 beginnt in Hermigua und ist etwa 12 km lang (ca. 600 Höhenmeter bergauf). Das war uns etwas zu weit, vor allem da der Weg teilweise an der Straße entlang führt. Wir sind mit dem Mietwagen hinunter ins Tal Richtung Strand (Playa La Caleta) gefahren. Wenn Platz ist, kann man das Auto auf einem schmalen Standstreifen an der Infotafel parken, wo der Wanderweg durch das Tal führt. Auf der Wanderkarte kreuzen sich hier Straße und Wanderweg, der Punkt ist also einfach zu finden.

Zuerst geht es durch ein schmales und von Palmen gesäumtes Tal, an einem kleinen Gehöft vorbei bergauf. Nach etwa zwanzig Minuten erreicht man den ersten Aussichtspunkt. Dort hat man einen traumhaften Blick auf den Playa La Caleta von oben sowie auf die Steilküste. Da der Wanderweg vor allem an Anfang teilweise kein Geländer hat, solltet ihr die Wanderung nur bei gutem Wetter machen. Als wir losgezogen sind, war es doch recht windig und wir hatten teilweise Sorge, vom Weg runtergepustet zu werden (oder vor dem Steinschlag)! Das solltet ihr nicht unterschätzen, da der Wind an der Steilküste und an den Gipfeln ziemlich stark ist im Vergleich zum Tal. Der Weg führt in zahlreichen Serpentinen direkt an der Küste entlang, was einem mehr als einmal den Atem verschlägt. Der Ausblick ist traumhaft und man möchte alle paar Meter stehen bleiben, um den Blick zu genießen!

Playa La Caleta auf La Gomera

Bei gutem Wetter kann man auch am Horizont den Gipfel des Teide sehen. Wir hatten dank Saharastaub keine gute Sicht auf Teneriffa, dafür war das gelbe Licht absolut magisch und hat die Berge rund um den Wanderweg in ein weiches Licht gezaubert. Obwohl es schon fast Mittag war, sind sehr schöne Fotos entstanden. Normalerweise hasse ich es, zur Mittagszeit zu fotografieren, da der Kontrast extrem ist und das Licht viel zu grell. Der Saharastaub hat es abgedämpft und dadurch konnte ich wirklich ein paar schöne Aufnahmen machen.

Kurz vor der Wanderung waren wir noch am Strand von La Caleta, den ihr auf dem oberen Foto seht. Ich persönlich fand ihn eher langweilig. Der Strand ist bedeckt mit schwarzem Sand und großen schwarzen Steinen. Das Restaurant hatte geschlossen und auch sonst war es eher ruhig – bis auf eine Gruppe Hobbyfotograf*innen, die ihre Stative nebeneinander aufgestellt hatten, um das gleiche Langzeitbelichtungsbild vom Wasser zu machen. Ich bin sowieso kein Fan von weichgezeichnetem Meer, aber dass auch noch alle absichtlich das gleiche Motiv aus der gleichen Perspektive fotografiert haben, konnte ich nicht nachvollziehen. Schmunzelnd habe ich dann von meinem atemberaubenden Aussichtspunkt auf die emsige Gruppe am Strand geschaut. Auf dem Wanderweg war weit und breit keine andere Person zu sehen. Während der fast drei Stunden, die wir für Hin- und Rückweg sowie Pausen gebraucht haben, ist uns nur ein einziger Mensch begegnet. Mir sind Orte und Motive lieber, an denen ich die Natur allein genießen und besondere Fotos machen kann.

Wanderung auf Gomera Richtung Casas del Palmar

Der Wanderweg führt entlang der Gipfel auf gleichbleibender Höhe entlang. Nach kurzer Zeit gelangt ihr zu einer Kreuzung, an der es entweder nach El Moralito und Casas del Palmar geht (also weiter auf dem Weg Nr. 33), oder eben Richtung San Lorenzo. Hier geht ihr den Küstenweg weiter und biegt nicht ab – auf der Wanderkarte ist das gut zu erkennen. Nachdem wir noch den ein oder anderen Hügel umrundet haben, sind wir schließlich zu einer großen Schlucht gelangt: ein ehemaliges Flussbett, das schon seit geraumer Zeit ausgetrocknet ist. Der Weg führt hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf. Ab hier ist er auch mit einem Geländer versehen.

Wandern auf La Gomera in der Nähe von Hermigua

Saharastaub auf Gomera sorgt für weiches Licht

Oben angekommen bietet ein weiterer Aussichtspunkt einen tollen Blick auf die Küste und einen spitzen Berg. Der Ausblick ist wunderschön und wir haben hier auf einer kleinen Steinbank am Weg unsere mitgebrachten Bocadillos (Sandwiches) gegessen. Ein kleines Stück ist an der Felswand zusätzlich zum Geländer mit einem dicken Tau ausgestattet, wahrscheinlich noch aus Zeiten, wo das Geländer noch nicht erneuert war? Der Weg ist nicht so breit und bei Wind sicherlich gefährlich. Wir haben das Tau jedoch nicht gebraucht, denn zu diesem Zeitpunkt waren wir glücklicherweise im Windschatten. An den Seiten des Weges geht es steil nach unten, deshalb war ich teilweise doch froh über das Geländer. Wenn es windstill ist, wäre es aber auch ohne kein Problem.

Wanderung nach San Lorenzo auf Gomera

Ausblick auf die Ostküste von Gomera

Das letzte Stück des Weges führt an einem verlassenen Haus entlang, in dem ein Feigenbaum wächst. Die Mauern sind eingefallen und die Natur hat sich dieses Stückchen Land bereits zurückerobert… Nachdem man nochmal ein paar Serpentinen gegangen ist, hat man schließlich einen wunderschönen Blick auf die spitzen Berge der Ostküste. Hier ist die Küste besonders steil. Wir wussten nicht, was uns am Ende des Wanderweges erwartet und waren völlig überrascht, als wir schließlich das kleine Naturschwimmbecken entdeckten! Dieses sieht man wirklich erst auf den letzten Metern, dreht nicht vorher um 😉

Leider ist der letzte Teil des Weges hinab zum Becken wohl bei einem Steinschlag zerstört und nicht wieder aufgebaut worden. Es gibt dort auch keine Möglichkeit, Pause zu machen. Dafür müsste man hinab zum Naturpool klettern. Ich habe mich das an der steilen Felswand über die großen Steinbrocken nicht getraut, da ich keinen guten Gleichgewichtssinn habe. Der Beste ist runtergeklettert und hat ein Bad im Naturpool genommen. Das kleine Becken füllt sich mit frischem Meerwasser, wenn die Wellen hoch genug sind. Es ist hoch genug, dass man bei ruhiger See nicht hinausgespült wird. Das Wasser ist darin natürlich deutlich wärmer als im Meer. Erfrischend ist es trotzdem…

Naturpool am Punto San Lorenzo auf La Gomera

Der davit von San Lorenzo

Ursprünglich war dieser Naturpool natürlich kein Schwimmbecken. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts wurden an der Mole San Lorenzo Schiffe mit Bananen und Tomaten beladen, die in Hermigua angebaut und nach Großbritannien verschifft wurden. Es gab dort eine kleine Schiffsanlegestelle mit Kran, an der die Boote beladen wurden. Diese Vorrichtungen werden davit genannt. Der abgelegene Ort am Punto de San Lorenzo wurde jedoch nur zur Verschiffung genutzt, wenn die Wetterbedingungen am davit von Hermigua zu schlecht waren. Dieser war deutlich näher an den Plantagen und besser ausgebaut.

Von Hermigua aus wurden die Bananen und Tomaten bei schlechtem Wetter also mit Hilfe von Eseln über den „camino real“ zur Mole San Lorenzo transportiert. Nach dem Bau des Hafens in Gomeras heutiger Hauptstadt San Sebastián wurde dieser Ort nicht weiter genutzt und der Weg von La Caleta nach Punto de San Lorenzo verwilderte. Heutzutage wird der Pfad am ehesten von Fischer*innen in Anspruch genommen oder eben von Tourist*innen als Wanderweg.

Vom ehemaligen davit ist heute nur noch der Sockel übrig, der über die Jahre vom Wasser ausgehöhlt wurde. So bildete sich dieses kleine, wunderschöne Naturschwimmbecken! Wie gesagt ist das aber etwas für Mutige – es handelt sich hier nicht um ein offizielles Schwimmbecken, es gibt keine Sicherheitsvorkehrungen. Im schlimmsten Fall kann es zu Steinschlag kommen oder man wird von einer Welle erfasst und herausgespült… Ich möchte hier niemand zum Baden an diesem doch etwas gefährlichen Ort animieren. Wie gesagt bin ich selbst auch das letzte Stück bis zum Becken nicht hinunter gegangen. Die Wanderung lohnt sich auch ohne abschließendes Bad – der Ausblick ist einzigartig, der gesamte Wanderweg ein wunderschönes Erlebnis. Ich würde ihn gern nochmal zu einer anderen Tages- oder Jahreszeit gehen. Selten hat mich eine Wanderung so begeistert wie diese! Deshalb gibt es von mir eine absolute Herzensempfehlung für diesen wunderschönen Weg, der die Geschichte der Insel so eindrucksvoll erzählt.

La Gomera: Wanderweg Nr. 33 nach San Lorenzo

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