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LONDON: BRIXTON VEGGIE GUIDE

Über Ostern war ich das zweite Mal in London, um meine Freundin Manon zu besuchen und die Stadt besser kennenzulernen. Diesmal wollte ich nicht nur an den touristischen Sightseeing-Highlights unterwegs sein, sondern auch eine andere Seite von London entdecken: das Viertel Brixton im Süden der Stadt!

Leider hat es während meines Besuchs in Brixton fast durchgehend geregnet. Fotos machen im strömenden Regen ist nicht so toll… Ein Highlight des Viertels habe ich trotzdem abgelichtet, und zwar das berühmte David Bowie Memorial in der Nähe der Ubahn-Station Brixton. Ich bin täglich daran vorbeigelaufen und dieses Wandgemälde ist definitiv etwas Besonderes. David Bowie wurde in Brixton geboren und hat sechs Jahre dort gelebt, deshalb sind viele Fans nach seinem Tod in das Londoner Viertel gefahren, um Blumen abzulegen und Briefe zu hinterlassen.

David Bowie Memorial Gemälde in Brixton, London

Brixton: vom Problembezirk zum neuen Hipster-Viertel von London?

Brixton ist heute ein typisches Beispiel für Gentrifizierung in Städten. Aus dem eher ärmlichen Arbeiterviertel wurde in den letzten zehn Jahren ein Hipster-place-to-be. Für Londoner Verhältnsise sind die Mieten dort noch immer einigermaßen bezahlbar. Menschen, die wie Bowie dort geboren wurden und ihr Leben in diesem Viertel verbracht haben, müssen allerdings immer öfter wegziehen, weil die Mieten nach Renovierungen steigen. Es gibt hier ein großes Konfliktpotential!

Ein weiteres „Problem“ im Viertel ist das Ritzy, ein altes Kino mit einer langjährigen Geschichte. Das Gebäude ist wunderschön und an einem der wichtigsten öffentlichen Plätze in Brixton. In den 80er Jahren war es als links-alternatives Kino bekannt, heute gehört es Picturehouse Cinemas (die zu Cineworld gehören). Leider geriet es seit 2007 immer mehr ins Zentrum der Kritik, weil die Angestellten dort einen unfassbar geringen Lohn bekamen: ca 5 Pfund pro Stunde! Die Gewerkschaft, die sich für einen besseren Lohn einsetzen wollte, wurde von Picturehouse nicht anerkannt. Auch heute liegt der Lohn noch unter dem „London living wage“ (also dem Stundenlohn, den man laut offiziellen Angaben in London zum Überleben braucht).

Brixton Library

Brixton Library

 

Deshalb gibt es nach wie vor Streiks im Ritzy und Schauspieler wie Benedict Cumberbatch (bekannt aus der Serie Sherlock Holmes) unterstützen den Kampf für einen fairen Lohn. Meine Freundin boykottiert deshalb wie viele andere das Kino. Das ist natürlich traurig, denn es gehört zum Viertel und es wäre toll, ein historisches Gebäude nutzen und unterstützen zu können. Hier sieht man deutlich das Konfliktpotential in Sachen Gentrifizierung, denn viele Zugezogene wissen nichts über die Geschichte des Gebäudes oder den Hintergrund der Streiks. Das gilt auch für die berühmten „Torbögen“, die sich durch Brixton ziehen. Viele Shopbesitzer*innen mussten ihre Läden zumachen, weil dort renoviert werden sollte – bis heute stehen allerdings die meisten Läden leer, denn die Renovierung wurde nicht abgeschlossen. Wenn dort irgendwann neue Geschäfte einziehen, die eine höhere Miete zahlen, fühlen sich natürlich die alteingessenenen Haushaltwarenläden oder Restaurants verdrängt und bedroht.

In den 80er Jahren hatte Brixton die höchste Mordrate der Stadt – heute merkt man davon kaum noch etwas, ich habe mich nachts nicht unsicherer gefühlt als in anderen Vierteln von London. Vom Problemviertel hat sich Brixton in den letzten Jahren definitiv zu einem der aufsteigenden, gentrifizierten Bezirk gewandelt. Die Geschichte ist vor Ort trotzdem nicht vergessen, seit den schlimmen Unruhen in den 80er Jahren zeugen zahlreiche Murals (Wandgemälde) von der Geschichte und der Identität des Stadtteils. Brixton ist ein Multi-Kulti-Viertel: es gibt dort eine große karibische Community, viele jamaikanische Restaurants und die Märkte sind voll von exotischen Lebensmitteln.

Brixton: mein Veggie Guide mit den besten Restaurants und Cafes

Wer den Brixton Market und Brixton Village besucht, merkt das sofort: hier gibt es viele karibische Lebensmittel und Gewürze! Der Gebäudekomplex wirkte auf mich übrigens auch wie ein Symbol der Gentrifizierung. Unter einem Dach befinden sich hier jamaikanische Obst- und Gemüseläden, ein skandinavischer Interior-Shop, ein Hipster-Cafe in dem man nur von Emaille-Tellern isst und ein paar günstige Fleisch- und Fisch-Geschäfte. Das mit dem Dach ist übrigens wortwörtlich gemeint, denn Brixton Village ist komplett überdacht – perfekt, wenn man an regnerischen Tagen etwas unternehmen möchte.

Brixton Village

Wir haben die Gelegenheit genutzt und sind zum Frühstück in das Lieblingscafe meiner Freundin Manon gegangen – das Burnt Toast Cafe. Das Sourdough Brot kann man selbst am Tisch toasten, daher der Name. Die Brunch-Gerichte sind vielseitig, der Kaffee schmeckt toll und dass die Leute draußen Schlange stehen, um einen Tisch zu ergattern ist wohl normal. Kleiner Tipp: einfach ein bisschen früher aufstehen, dann muss man nicht auf einen Tisch warten! Wir waren an einem Feiertag um kurz vor 10 dort und hatten Glück. Kurz danach wurde es aber sehr voll… Ich habe eine Shakshuka bestellt, die superlecker war – dort zum Brunch hinzugehen kann ich auf jeden Fall empfehlen. Es gibt auch Eggs Florentine oder Benedict auf einem saftig-süßen Brioche oder leckere Buttermilch Pancakes.. Schwer, sich zu entscheiden!

Burnt Toast Cafe, Shop 88, Brixton Village Market

Shakshouka im Burnt Toast Cafe, Brixton Village

Ein Spaziergang durchs Brixton Village lohnt sich sehr, dort sind tolle Shops zu finden – plant auf jeden Fall eine Stunde für Village & Market ein. Einige Restaurants und Cafes sind dort verteilt, ich fand zum Beispiel auch das Kuku spannend (persische Küche) und Ms. Cupcake (dort bekommt ihr tolle, handgemachte vegane Cupcakes und jede Menge vegane Süßigkeiten, lustigerweise von deutschen Marken wie ichoc).

Kuku im Brixton Market, London

Weiter geht es zum POP Brixton. Dabei handelt es sich um ein Community Project: Container wurden auf eine ungenutzte Fläche gestellt, einige Restaurants und Shops haben sich dort angesiedelt. Außerdem gibts einen Gemeinschaftskühlschrank – die Restaurants im POP Brixton legen dort Lebensmittel ab, die sie nicht mehr brauchen aber auch Privatpersonen können dort etwas abgeben. Wir haben uns einen Apfel als Snack geschnappt 🙂

Die Container sind größtenteils überdacht und es finden regelmäßig spannende Veranstaltungen statt, von Yoga und Tai Chi über Parties und Konzerte bis zu Filmvorführungen und Food Tastings – ein Blick in den Eventkalender lohnt sich! Auch der Gemeinschaftsgarten ist toll. Man darf sich dort frische Kräuter mitnehmen.

POP Brixton

POP Brixton Community Garden

POP Brixton Community Garden

Dass es eine jamaikanische Community in Brixton gibt, hatte ich ja oben schon erwähnt – dementsprechend gibt es auch jede Menge jamaikanische Restaurants! Wir haben das Negril besucht und dort zu Abend gegessen. Ihr solltet reservieren, denn es ist sehr gut besucht. Im Sommer kann man draußen sitzen, es gibt eine große Terrasse. Lecker sind das hausgemachte Ginger Beer und die Limonaden. Als Vorspeise kann man sich gut die frittierten Kochbananen (plantain) teilen. Es gibt einige ital Gerichte (Küche der Rastafaris, die vegan ist), wie zum Beispiel einen Bohneneintopf mit Spinat, den ich mir direkt bestellt habe. Als Beilage kann man entweder Reis oder Roti bestellen. eine Art Fladenbrot. Das Essen dort ist wirklich lecker, die Atmosphäre nett und es gibt gute Reggae-Musik 😉 Wer keinen Platz mehr ergattert, kann auch bestellen oder Essen zum Mitnehmen abholen.

Negril, 32 Brixton Hill, Brixton, SW2 1RS, Website

Was macht man noch so an einem verregneten Nachmittag in England? Tea time bzw. Kuchen essen natürlich! Den besten in ganz Brixton gibt es bei Parissi, einem süßen kleinen Cafe mit hausgemachtem Gebäck, Törtchen und Kuchen, leckerem Tee und Kaffee. Ich habe den glutenfreien Zitronenkuchen mit Pistazien probiert und es war einer der besten, die ich je hatte…! Mittags gibt es eine Art kleines Buffet mit Quiches und Salaten. Auf jeden Fall ein nettes Cafe, in dem man gut ein, zwei regnerische Stunden verbringen kann.

Parissi, 76 Atlantic Rd, Brixton, London SW9 8PX

PARISSI Brixton

Wer gutes thailändisches Essen sucht, wird im Rosa’s fündig. Ich war begeistert von meinem leckeren Thai Curry (ich hatte das Red Butternut Curry). Auch hier wird es abends sehr voll, reservieren ist sinnvoll. Eine ganze Kategorie auf der Karte ist „veggie friendly“, was ich super finde. Ich sage trotzdem immer dazu, dass ich keine Fischsauce möchte – das sehen viele Thais nämlich als unproblematisch für Vegetarier*innen an 😉 Achtung, wenn Chilischoten im Menü dabei stehen, ist es übrigens wirklich scharf!

Rosa’s Thai Cafe Brixton, 36 Atlantic Rd, Brixton, London SW9 8JW, Website

 

Im Brixton Pound Cafe gibt es ein „zahl wieviel du möchtest“ Prinzip. Es ist ein Community Cafe und somit auch Veranstaltungsort. Wenn ihr Kontakte vor Ort sucht, ist das ein guter Treffpunkt. Im Cafe werden außerdem Lebensmittelüberschüsse aus dem Viertel verarbeitet, zum Beispiel von umliegenden Geschäften oder dem Markt. Projekte gegen Lebensmittelverschwendung finde ich generell toll und wenn sie dann auch noch so regional sind, umso besser! Das Cafe ist, wie ihr euch schon denken könnt, nicht an einem wirtschaftlichen Gewinn orientiert sondern investiert Überschüsse in lokale Projekte. Eine tolle Sache!

Brixton Pound Cafe, 77 Atlantic Rd, Brixton, London SW9 8PU, Website

Brixton Pound Community Cafe

Zwei nette Cafes möchte ich euch noch ans Herz legen: einerseits das Brixton Blend (

In Brixton gibt es übrigens sogar eine alte Windmühle, in der noch immer Getreide gemahlen wird. Sie beliefern lokale Bäckereien mit dem frischen Mehl! Dort gibt es auch regelmäßig Veranstaltungen. Zuletzt noch Tipps für nette Pubs in Brixton: Trinity Arms (45 Trinity Gardens) ist ein traditioneller, etwas schickerer Pub mit vielen jungen Leuten. Der Garten im Hinterhof bietet viele gemütliche Sitzecken und Tische, im Winter gibt es dort auch eine Feuerstelle. Ein anderer netter Pub ist der „Duke of Edinburgh“ (

Ich hoffe, euch hat mein kleiner Brixton Guide gefallen und ihr gebt dem Viertel bei eurem nächsten London-Besuch eine Chance!

Backstein-Häuser in Brixton, London

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