Italien/ Reisen

WIE ICH ELBA UMRUNDETE

Elba ist eine kleine Insel. Sie zu umrunden hat dennoch Zeit erfordert: Überall gibt es Aussichtspunkte, geheime Buchten, Wanderwege und hübsche Städchen, die zum Verweilen einladen. Mit Eindrücken aus verschiedenen Orten auf der ganzen Insel nehme ich euch mit auf die Reise!

Elba

Portoferraio

Die belebte Hafenstadt ist für viele Elba-Reisende die erste Begegnung mit der Insel. Etwas abseits vom steten Kommen und Gehen am Fährhafen liegt die kleine Altstadt von Portoferraio. Enge Gassen winden sich durch das Viertel, Wäsche trocknet hoch über den Köpfen an den Fenstern der Häuser. Eine steile Treppe aus Stein führt in die höhergelegenen Straßen der Stadt. An dieser Ecke halten wir an einem Sonntagnachmittag inne, genießen den Moment und die Atmosphäre. Die bunten Häuser strahlen im Sonnenlicht. Eine Großfamilie betritt die Gasse und zieht fröhlich lachend vorüber. Kinder laufen die Stufen der Treppe hinauf, die Älteren lassen sich Zeit. In diesem Moment zieht uns Portoferraio in seinen Bann.

Portoferraio Altstadt

Marciana

Unsere Inselumrundung führt uns in den Ort Marciana. Hoch oben auf einem Berg gelegen ist der kleine Ort ein beliebtes Ausflugsziel. Die Nähe zum berühmten Monte Capanne wird ihren Teil dazu beitragen. Unser Ziel ist heute jedoch ein anderes. Wir steigen eine schmale Treppe hinauf und genießen den traumhaften Blick auf die Nordseite von Elba. Am Fuße des Berges in einer kleinen Gasse befindet sich, unscheinbar und versteckt, einer der ungewöhnlichsten Läden der Insel, Il Capepe. Dort wird nur ein einziges Produkt verkauft: Marmelade! Birne mit rosa Pfeffer, Zwetschge-Lavendel oder Aprikose mit Karotte und Mandeln – hier warten besondere Spezialitäten auf Gourmets. Wir probieren uns durch die Sorten in dem kleinen Gewölbekeller und es fällt uns schwer, eine Entscheidung zu treffen. Mit einigen Gläsern in den Händen und einem großen Lächeln auf dem Gesicht verlassen wir das Geschäft.

Ausblick auf Elba von Marciana aus

Spiaggia della Polveraia

Der Zugang zum Spiaggia della Polveraia ist schwer zu entdecken. In einer Serpentinenstraße in Patresi weist ein winziges Schild auf den Weg zum Strand hin. 100 Höhenmeter gilt es dabei zu überwinden. Der Weg ist staubig, zugewuchert und steil, das Geländer lose. Aufgeben wollen wir nicht. Nun haben wir uns in den Kopf gesetzt, diesen misteriösen Strand zu besuchen. Nach der Hälfte des Weges, als die Bäume sich lichten, empfängt uns ein atemberaubender Ausblick auf eine Bucht mit kristallklarem, türkisfarbenen Wasser. Der kleine Strand ist auf beiden Seiten von steilen Felsen umgeben. Wilde Blumen wuchern am Wegesrand, gelbe Blüten schaukeln im Wind. Die letzten Meter nach unten gehen wir voller Zuversicht. An den steilen Rückweg wollen wir noch nicht denken. Was für eine Belohnung, über den Kiesstrand zu laufen und die nackten Füße in das eiskalte Wasser zu tauchen!

Spiaggio della Polveraia

Spiaggio della Polveraia, Elba

Schwarzer Sand

An der Westseite der Insel führt eine Straße direkt an der steilen Küste entlang. Immer wieder tauchen Parkbuchten am Rand auf. Wir halten an, um zu sehen, was uns dort erwartet. Wind zerzaust mein Haar, als ich den Blick über die Küste schweifen lasse. Am Ufer sehe ich schwarzen Sand. Kein Weg führt hinunter, die Küste ist zu steil. Wir fahren ein Stück weiter, dort gibt es einen Wanderweg bis zum Kap, das sich tief ins Meer hineinzieht. Wir laufen durch die flirrende Mittagshitze, der Hund immer voraus. Auch dort gibt es keinen Weg zum Strand, doch wir entdecken immer neue Aussichtspunkte. Verschwitzt und voller Abenteuerlust nehmen wir eine Abzweigung nach der anderen, immer tiefer hinein in das dichte Gestrüpp.

Schwarzer Sandstrand auf Elba

Träge Boote

In Marina di Campo schlendern wir durch die Straßen. Die Läden schließen zu Mittag. Schnell kaufen wir uns noch das letzte Stück Schiaccina, eine Art Focaccia-Brot, das typisch für die Insel ist. Wir spazieren weiter Richtung Strand. Schuhe aus, den Sand zwischen den Zehen spüren. Das Wetter ist trüb, eine leichte Müdigkeit breitet sich aus. Die Boote schaukeln träge vor sich hin. Auf einer Bank lasse ich den Blick schweifen und bedaure, dass Marina di Campo mein Herz noch nicht erobern konnte. Doch eine große Portion Eis hebt die Laune schlagartig.

Bergblick

Eine enge Straße führt vom Südteil der Insel in den Norden Richtung Marciana. Es wäre schneller, den Weg Richtung Procchio zu fahren, doch wir entscheiden uns für die geheimnisvolle Straße am Monte Capanne entlang. Nebel liegt über dem Berg. Am Torre di San Giovanni machen wir Halt und klettern über die großen Felsen zum Turm. Wir genießen ehrfürchtig den Ausblick zur Küste. Es ist der höchste Punkt auf Elba, den wir bisher besucht haben. Als ich mich umdrehe, fällt mein Blick auf den dichten, nebelverhangenen Wald. Er wirkt auf mich wie ein undurchdringbarer Dschungel, in dem Menschen nichts zu suchen haben.

Wald am Monte Capanne

Torre di San Giovanni

Wilde Orchideen

In Capoliveri starten wir zu Fuß in das Naturschutzgebiet. Ein steiler Weg führt aus dem Ort heraus auf den Berg. Nach einiger Zeit sehe ich zwischen den bunten Blumen auch wilde Orchideen in grellem Pink. Sie ranken sich an anderen Pflanzen entlang in Richtung Sonne. Auch wir erklimmen Höhenmeter um Höhenmeter. Ich konzentriere mich auf einen großen, schattenspendenden Baum, an dem ich eine Rast einlegen möchte. Dort angekommen offenbart sich uns eine atemberaubende Aussicht über die Insel. Still sitze ich zwischen den Wildblumen, höre dem geschäftigen Summen und Brummen der Insekten zu und kann die Augen nicht vom Meer abwenden. Wie gemalt wirkt die Westküste der Insel mit ihren Bergen in weiter Ferne.

Capoliveri Wanderung auf Elba

Die Festung

Als wir den Sonnenuntergang an der Kirche Santo Stefano mit Blick auf Portoferraio geniessen, fällt uns in einiger Entfernung eine Festung auf, die hoch oben auf einem unzugänglichen Berg thronte. Sie weckt unsere Neugier – was ist das wohl für eine Burg? Schnell finden wir heraus, dass das Castello di Volterraio die älteste Befestigungsanlage der Insel ist. Am nächsten Morgen machen wir uns auf den Weg. Eine kurvige Straße führt hinauf. Am Fuß der Burg verweilten wir, einladend sah das Gemäuer noch immer nicht aus. Wir beschließen, dieses Mal die misteriöse Festung nicht zu besuchen.

Castello di Volterraio

 

Hafenblick

Rio Marina erobert mein Herz im Sturm. Ich weiß sofort: es ist der schönste Hafen der Insel. Am Uhrenturm vorbei gehen wir am Pier entlang, dort steht ein kleiner Aussichtsturm. In Richtung Festland sehe ich türkisblaues Wasser unter mir. Ein Blick zurück auf den Hafen lohnt sich noch mehr – im Hintergrund die Berge, weichgezeichnet von der Morgensonne. Die Boote liegen in Reih und Glied am Hafen, bereit zur Ausfahrt. Ich bin noch nicht so weit, Rio Marina wieder zu verlassen. Wir beobachten, wie die Fähre anlegt. Eine Schulklasse strömt aus dem Bauch des Schiffes, aufgeregt und voller Tatendrang versammelt sich die Gruppe in der Sonne. Was sie wohl vorhaben? Zum Mittagessen setzen wir uns in ein kleines Lokal am Hafen, essen Bruschetta und Risotto. Auch nach dem Affogato fällt es mir noch schwer, Rio Marina den Rücken zuzukehren.

Rio Marina

Die Kunst

In Porto Azzuro schlägt uns die dichte Mittagshitze ins Gesicht. Wir wandern unschlüssig durch die Gassen der Stadt zu einem Platz am Hafen. Dort setzen wir uns auf eine Bank, lesen und warten, dass die unbarmherzigen Strahlen der Sonne milder werden. Hinter uns fängt jemand an zu singen: Amore mio erklingt in volltönendem Bariton aus einem kleinen Laden. Eine Gruppe Handwerker ist dort hinter einem halb geschlossenen Tor beschäftigt, einen Laden zu renovieren. Bei dieser klangvollen Stimme hätte ich einen Opernsänger am Balkon über mir erwartet. Wir hören eine Weile schmunzelnd zu und machen uns dann auf den Weg durch die schattigen Gassen, um die Stadt zu erkunden. Immer wieder sehe ich kleine Mosaike in der Wand, eine Straße führt schließlich zu einer Mauer, in die Dutzende Kunstwerke aus Keramik eingelassen sind. Ein kleiner Hinweis am unteren Rand auf ein Atelier weckt meine Neugier. Wir laufen hinüber und treten in einen Innenhof voller Pflanzen und Regale, in denen Keramik in der Sonne trocknet. Wir werden begrüßt von einem alten Mann, der nur Italienisch spricht. Mit Händen und Füßen verständigen wir uns und finden heraus, dass er seit über 30 Jahren an diesem Ort Keramik herstellt. Wir bewundern die zahlreichen Stücke, die in mühsamer Handarbeit hergestellt wurden. Mit zwei Espresso-Tassen in Raku-Technik und einem kleinen goldfarbenen Wal verlassen wir den Laden. Staunend über so viel Hingabe zur Kunst, der ein Mensch sein ganzes Leben gewidmet hat.

Eine Liebeserklärung an Elba

Elba hat uns verzaubert mit köstlichen Produkten und Kunst. Mit atemberaubenden Aussichtspunkten, seltenen Pflanzen und geheimen Stränden. Nach der Inselumrundung weiss ich: noch längst habe ich nicht alle Geschichten entdeckt. So viele Orte warten noch darauf, erkundet zu werden.

Bergblick auf Elba

Das könnte Dir auch gefallen

0 Kommentare

Hinterlasse eine Antwort