Borneo/ Reisen

BORNEO 8: KOTA KINABALU

In meinem letzten Bericht über die Nasenaffen in Bandar Seri Begawan / Brunei hatte ich euch ja schon vorgewarnt, dass der nächste Bericht wieder etwas ernüchternder wirkt… Die Fahrt von Brunei nach Kota Kinabalu haben wir uns eigentlich sehr schön vorgestellt, da wir mit der Fähre fahren wollten. Geendet hat es aber wie fast immer auf Borneo während Ramadan in einem ziemlichen Chaos 😉

Kota Kinabalu

Wir haben nur 24 Stunden in Brunei verbracht, da in unserem Budget leider nicht mehr drin war. Nach unserer wunderbaren Bootstour sind wir zurück ins Hotel und direkt ins Bett, da wir am nächsten Tag um 4.30 Uhr aufstehen mussten, um unseren Bus zum Hafen zu erreichen. Glücklicherweise war der Busbahnhof nur etwa 50 Meter von unserem Hotel entfernt. Wir haben uns also ohne Frühstück (natürlich hatte um diese Zeit noch nichts auf) und vollgepackt auf den Weg gemacht und tatsächlich auch direkt den richtigen Bus gefunden. Das war aber auch so ziemlich das einzige, was an diesem Tag funktioniert hat!Nach etwa 45 Minuten Fahrt mussten wir plötzlich in einen anderen Bus umsteigen, der einen Teil der Strecke zurück fuhr, wo wir dann wiederum in einen anderen Bus umsteigen mussten. Natürlich sprach niemand gut genug Englisch, um ums zu erklären, was vor sich ging, wir haben uns einfach an den 2 anderen Touristen im Bus orientiert, die aber ebenso wenig wussten, warum das ganze jetzt so abläuft. Endlich am Hafen angekommen, sind wir erstmal eine halbe Stunde herumgeirrt um einen Eingang zu finden, bis uns die Militärpolizei angeschrien hat, wo wir hin sollen, und dass die Fähre wahrscheinlich ausfällt. Wir müssten eine andere Fähre nehmen. Also haben wir uns auf den Boden zu den anderen Touristen gesetzt und etwa 2 Stunden gewartet, bis endlich ein winziger Schalter aufgemacht hat, an dem Tickets verkauft wurden. Wir haben uns also angestellt, durften nach etwa 45 Minuten dann auch ein Ticket erstehen, einen Ausreisestempel aus Brunei kassieren und natürlich wieder warten.Schlecht gelaunt – und noch immer ohne Frühstück, denn man konnte nirgendwo etwas zu essen kaufen – haben wir die japanischen Touristen um uns herum beobachtet, die bestens vorgesorgt hatten und sich Kekse und Sandwiches schmecken liessen…

Als wir die Fähre endlich betreten durften (etwa gegen 11 Uhr Mittags), stellten wir mit Begeisterung fest, dass es einen kleinen Shop auf der Fähre gab, der allerdings noch nicht geöffnet war. Mein Freund hat es trotzdem geschafft, sich durch eine Horde anderer Touristen zu kämpfen und kam mit grausigem Instant-Coffee und etwas, das sich “Checker” nannte, zurück (eine Art Biskuit-Rolle – von der wir im Laufe der Fahrt schätzungsweise 20 Stück gegessen haben, weil es das einzige im Fährenshop-Angebot war).

Lustigerweise befand sich auch meine persönliche Erzfeindin aus Miri an Board, eine etwa 50jährige Engländerin, mit der ich im Frauen-Schlafsaal des Dillenia Hostels erbittert um die Fernbedienung für die Klimaanlage gekämpft hatte. Sie bestand auf die 15 °C im Schlafsaal, während mir die Zähne geklappert haben… Schlussendlich konnte ich aber siegen und die Klimaanlage ausmachen, was zu stundenlangem Seufzen und Bettdecken-Herumschlagen ihrerseits geführt hat, das ich schlaflos bei akzeptablen 19° C genossen habe (der Raum war so runtergekühlt, dass es Stunden dauerte, diese Temperatur zu erreichen).

Unsere Fähre endete in Labuan, einer Insel etwa 8 km von der Westküste Borneos entfernt. Wir gingen davon aus, dort in eine Fähre nach Kota Kinabalu umzusteigen. Allerdings mussten wir erstmal durch die Einbürgerung, denn wir kamen ja von Brunei. Fast niemand sprach Englisch. Meine Erzfeindin stellte sich in der Reihe für Malays an, bis sie andere Touristen freundlicherweise darauf hinwiesen, dass sie dort wohl eher nicht hingehört. Natürlich drängte sie sich mit einer Tüte Bananenchips in der Hand genau vor uns in die Ausländerreihe 😉

Nach unendlichem Anstehen, einem neuen Visum für Malaysia und der verzweifelten Suche nach dem entsprechenden Ticketschalter für die Anschlussfähre kamen wir beim richtigen Büro an. Dort wurde uns freundlich mitgeteilt, die Fähre sei voll und die nächste Fähre würde morgen fahren. Was uns praktisch an den Rand der Verzweiflung getrieben hat, denn Labuan ist so ungefähr einer der hässlichsten und teuersten Orte, die wir uns zum Übernachten hätten aussuchen konnten. So ganz habe ich es nicht verstanden, aber es hatte irgendwas mit einer steuerfreien Zone zu tun und mit Öl und Brunei.

Völlig verzweifelt haben wir also ein unglaublich teures Ticket für ein Speedboat gebucht, das uns an die Küste Borneos fahren sollte – nach Menambok. Wir hatten zwar keine Ahnung, wie wir von dort aus nach Kota Kinabalu kommen sollten, wollten aber einfach nur weg von Labuan.

Die Fahrt mit dem Speedboat war typisch Borneo. Speedboat ist so ungefähr das unpassendste Wort, mit dem man die alte Rostschüssel beschreiben hätte können. Gut, dass wir erstmal durch einen sehr förmlichen Security-Check mit Gepäck-Scan mussten, um dort einsteigen zu können. Unser zahnloser Fahrer trug einen modischen Vokuhila und seine grau-braune Jeans war so dreckig, dass sie wahrscheinlich das letzte Mal gewaschen wurde zu einer Zeit, in der Vokuhilas noch in waren.

Das Boot war außerdem derart vollgestopft mit Menschen, dass ich praktisch halb-halb auf meinem Freund und auf einem französischen Rucksacktouristen sass, der während der Fahrt ein Magnum und 3 Bounties gefuttert hat (was mit der steuerfreien Zone auf Labuan zusammenhing, da dort scheinbar irgendwelcher westlicher Süsskram ziemlich billig war). Wir hatten natürlich durch den ganzen Stress die Chance verpasst, uns etwas zu essen zu besorgen. Das Boot war oben offen und durch die schwere Beladung praktisch halb unter Wasser, was den Fahrer jedoch nicht daran gehindert hat, so schnell wie möglich quer in die entgegenkommenden Wellen zu fahren, so dass jedes Mal schätzungsweise 30 Liter Wasser über uns drüber geschwappt sind. Angefühlt hat es sich, als würde man mit einer Seifenkiste frontal gegen eine Wand fahren.

Nach 45 Minuten Horrorfahrt krochen wir aus dem Boot ans Festland. Panisch, hungrig und furchtbar genervt rannten wir vom Bootssteg zur nächsten Straße, an der (Hallo Ironie!) ein Reisebus wartete, der morgens etwa um 8 Uhr in Brunei gestartet war auf dem Weg nach Kota Kinabalu. Gut, dass mein Freund in diesem Moment kein Foto von mir gemacht hat, allein die Erinnerung daran weckt in mir Gefühle, irgendetwas zu zertreten 😉

Der Bus war natürlich fast voll. Wir konnten trotzdem zwei Plätze ergattern. Ungefähr zu dem Zeitpunkt wurde uns klar, dass wir in Kota Kinabalu nicht mal ein Hostel gebucht hatten. Aber (fragt mich nicht wieso) wir waren optimistisch genug, daran zu glauben, schon eines zu finden. Mein Freund rannte nach dem Besetzen seines Platzes raus zum Laden und kaufte ein paar grauenhaft schmeckende, staubtrockene Kekse, die wir kurz vor dem Verhungern herunterschlangen und dabei neidvoll den Franzosen beobachteten, der direkt vor unseren Augen im Restaurant draussen völlig entspannt eine Portion Fried Noodles bestellte. Langsam wurden wir nervös, denn der Busfahrer wollte noch immer nicht losfahren. So ganz klar war uns nicht, auf was genau er wartete. Der Franzose stieg ein und bekam (keine Ahnung wie) einen guten Sitzplatz weit vorne. Der Bus fuhr los.

Die nächsten Stunden verbrachten wir übel gelaunt neben einer Gruppe malaysischer Teenager, die während der gesamten Fahrt Musik auf ihren MP3-Playern hörten und dabei laut mitsangen. Ich war selten in meinem Leben gezwungen, etwas nervigeres zu ertragen als die Stimme eines pickligen 16jährigen Malays, der lautstark kitschige Hari-Raya-Lieder mitsingt. In Kota Kinabalu angekommen, machten wir uns direkt auf die Suche nach einem Hostel. Was sich als äußerst schwierig gestaltete, denn ungefähr jedes Hostel das wir betraten, war ausgebucht. Restlos ausgebucht.

Hostel Nr. 8 (?) hatte dann endlich ein Zimmer für uns. Ich frage mich bis heute, warum uns das nicht gewundert hat, da ja eigentlich alles ausgebucht war. Wir haben unser Gepäck abgeladen, das Zimmer bezahlt und sind erstmal Essen gegangen (genau, Fried Rice der nach nichts schmeckt, so wie immer auf Borneo – war mir aber in dem Moment herzlich egal).

Völlig erschöpft fielen wir dann um 9 Uhr in unser Bett. Gottseidank liessen wir noch kurz das Licht an, denn wir waren nicht die einzigen Bettbewohner…. Innerhalb von etwa 30 Minuten tötete ich 6 Bettwanzen und diverse andere Insekten. Bis ich schließlich heulend ins Erdgeschoss lief und die Hostelbesitzerin anflehte, uns ein anderes Zimmer zu geben.

Was sie glücklicherweise auch getan hat – die “Hochzeitssweet” (das einzige freie Zimmer) mit eigenem Bad. Ich konnte keine Wanzen entdecken, nur Kakerlaken auf dem Boden, die mir aber zu dem Zeitpunkt schon unfassbar egal waren. Nach diesem Horrortag wollten wir einfach nur noch schlafen….! Allerdings hatten wir noch genug Energie, uns über das furchtbare Kunstwerk im Zimmer lustig zu machen…

Mehr Berichte aus der Horrorstadt Kota Kinabalu und unserer anschließenden Flucht nach Kinarut gibt es demnächst! Dann wieder mit mehr Bildern und weniger Text.

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